
Ahnenforschung
Familie Bölter
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Geschichte und Herkunft
des Namens "Bölter"
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Woher kommt der Name "Bölter"
Der Name Bölter enthält als Stamm bolt, das über das römisch-germanische boltio auf lat. catapult bzw. griechisch katapeltes = schleudern, zurückgeht. Ein boltan oder boltio (germ., 8. Jahr) meint bereits einen Bolzen ( = kurzer Pfeil). bolt bedeutet also Bolzen, ein kurzes, längliches Holzstück, das als "Munition" für Armbrüste, aber auch bei größeren Wurfmaschinen Verwendung fand. Natürlich erforderte diese Munition auch besonders qualifizierte Hersteller. Sicher gab es schon Spezialisten hierfür, bevor der eigentliche Berufsname entstand.
Aus boltio entstanden bolt, bult, boult im gesamten nordischen Sprachraum und schließlich der Berufsname mit der Endung -er (aus dem lateinischen "-or") für den Bolzenhersteller. Die frühesten englischen Namensformen waren Bolt, Boltor, Buletor:
"Early examples of the surname include Walter Bolt in the Curia Rolls of Surrey in 1202, and John Boltor in the Somerset rolls known as "Kirby's Quest", and dated 1272. Ricardus Bultere is recorded in the poll tax rolls of Yorkshire in 1379, and Dorothy Bowlter or Boulter at St James Church, Clerkenwell in the City of London in 1573. The first recorded spelling of the family name may be that of Godine Bolt (1086)". (Anm. Die Schlacht von Hastings war 1066!)
(Quelle)
Aus einer anderen Quelle:
"The surname is documented as early as the mid-thirteenth century when one Roger le Buleter is recorded in the Chartulary of Oseney Abbey, Oxfordshire, in the year 1246; the same gentleman is noted in subsequent references as Roger le Buletor (1248) and as Roger le Bolter (1253). Another Roger le Boletere was employed at Oriel College, Oxford and appears in records of the College in 1261. One Geoffrey le Bolter is noted in the Hundred Rolls of Berkshire in Huntingdonshire are recorded in the same sources. The surname is known to have arrived in America at an early data; one Thomas Boulter dwelt at Weymouth in 1661 while one Nathaniel Boulter resided at Hampton around 1685. The arms were first awarded in 1720 to Dr. Hugh Boulter, Bishop of Bristol, later Lord Primate of Ireland."
(Hervorhebungen in Fettschrift von mir)

(Links: aus Kluge, Etymologisches Wörterbuch, 1963)
Neben dem römischen Wortstamm werden also auch indogermanische (bheld, "Schall") bzw. vorgeschichtliche, lautmalerische Wurzeln vermutet. Wie der Ausschnitt links zeigt, führen manche Etymologen die Silbe "bel(d)" oder "bol(d)" auf den Klang eines Holznagels beim Einschlagen zurück. Auch Verbindungen zu Ball (lat. "phallus") werden gesehen, also etwas Aufgetriebenes. Bläst man die Lippen auf und entlässt die Luft, so erhält man tatsächlich "ba". Ebenso gibt es Verbindungen zu Balken, Bollen, Bollwerk.
Der Ausdruck Bolzen wird noch heute für Armbrustpfeile verwendet, vgl. auch das englische bullet. "Bolt" bedeutet im englischen auch Blitz. Bolzen beim Fußballspielen meint das Knallen des Balles auf das Tor. Im Schottischen ist umgangssprachlich ein "bolter" jemand, der eine Frau schwängert und sich dann davonmacht. In jedem Fall bezieht man sich auf die "Dynamik" eines Vorgangs...
Die ersten Zeugnisse über Armbrustbolzen stammen aus dem 11. Jahrhundert (Schlacht von Hastings 1066, Normannen gegen Sachsen). Hierzu wurden sicher große Mengen an Bolzen produziert, sicher unterstützte der Sieg der Normannen die Verbreitung des Berufs.
Bevor sie als Kriegswaffe zum Einsatz kamen, wurden Armbrüste bereits zur Jagd benutzt. Die Wappen der "Boulter" (links) und "Bolder" (rechts) aus England zeigen dies sehr schön. Erkennbar ist eine Taube und ein kurzer Pfeil, also ein Armbrustbolzen. Diese Wappen gab es bereits vor der Schlacht von Hastings! Das linke Wappen ist einer Originalquelle entnommen, das rechte erscheint nachbearbeitet und "gestylt".

Ein Bolt-er, Bult-er, Boult-er, gelegentlich auch Bo(u)lt-ner oder, in der Urform, Bolt-or oder Pult-er war also ein Bolzendreher und Gehilfe des Armbrustbauers. Der Berufsname ist in Südengland sehr verbreitet. In den südlichen Küstenbezirken liegt Hastings, wo sich in der berühmten Schlacht von 1066 die Armbrust sehr bewährte. Der große Bedarf an Bolzen im 11. Jahrhundert förderte also den Beruf. Die Armbrust erwies sich in der Schlacht als sehr nützliche Waffe gegen die langbogenerfahrenen Briten, und Wilhelm der Eroberer musste nach seinem Sieg für den Erhalt seiner Macht noch einiges tun, darunter sicher auch für Rüstungsnachschub sorgen.
Der Name entstand jedoch auch auf dem Kontinent. Man könnte annehmen, dass die Flucht vieler puritanischer Familien aus England (16. - 17. Jahrhundert, Gegenreformation) den Namen auf den Kontinent brachte. Dem steht entgegen, dass viele Bolter, Bulter und später Bölter katholisch waren. Außerdem findet man die ältere, romanische Form Boltor im katholischen Südeuropa, sogar in Mexiko. In jedem Fall fand die Umlaut-Wandlung zu "ö" in Norddeutschland statt.
Auch der Namer Pulter, der klanglich noch näher an "Katapult" liegt, ist zu finden, jedoch nur in zwei Regionen (mit den üblichen vereinzelten Ausnahmen): In Südengland ab 1400 und in Ostpreussen, Kreis Labiau ab 1600.
Den frühestens, klangähnlichen Namen fand ich in Landau, Pfalz: Jacob Bolder *ca. 1540 und Margaratha.
Im 17. Jahrhundert findet man Bolter, Bulter und Abwandlungen in Niedersachsen, Hessen und im Rheinland. Ab dem 18. Jahrhunderts verbreitet sich der Name nach Westfalen und dadurch - durch den Übergang in den niederdeutschen Sprachraum - entstehen Buelter und schließlich Bölter. Diese Übergänge lassen sich zum Beispiel im Ort Dreierwalde, Westfalen, nachweisen.
Zur Abgrenzung: Bolt, Polt, Bolte, Bolten und ähnliche Formen, ohne die Endung "er", besitzen zwar den gleichen Wortstamm, sie bezeichnen jedoch entweder den Bolzen selbst (für einen kurzen, gedrungenen Körperbau) oder eine sprachliche Abwandlung von Balt(e) - das ist ein kühner, mutiger Mensch - und nicht den Handwerker.
Zu guter Letzt das genealogisch übliche Fragzeichen, was die Namensbedeutung betrifft. In unserem Fall: Waren die Bölter tatsächlich ehemals Hersteller von Bolzen, boltio's?
Man findet nämlich auch die - etwas schlichtere und profanere - Interpretation, dass Bülter/Bulter (mittelniederdeutsch) lediglich jemanden bezeichnet, der auf einem Hügel oder einer Erhebung (bult, bulte) wohnt. Da man gerade im Westfälischen, dem alten mittelniederdeutschen Sprachraum, den Übergang zu Bölter findet, läßt sich die Herkunft nicht eindeutig klären - ob also Bölter von dem häufiger vorkommenden Bolter/Boltor/Bolder/Boulter/Bülter > Bölter = Bolzenmacher oder von Bulter/Bülter > Bölter = Bewohner einer Anhöhe stammt! Ich schließe mich der gängigen etymologischen Deutung, der Herleitung aus dem Handwerklichen, an, es gibt jedoch keinen endgültigen Beleg.
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