Ahnenforschung
Familie Bölter


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Geschichte und Herkunft
des Namens "Bölter"



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Herkunft der ostdeutschen Bölter



England
Bemerkenswert ist, dass bereits in England eine Familie Boelter zu finden ist, allerdings wird das "oe" im Englischen wie "u" ausgesprochen.

Francis Boelter, *ca. 1650, verh. 07 JAN 1670 in Rothley, bei Leicester, mit Mary Smith
Ruth Boelter, *1663 Of Wigston, Ortsteil von Leicester, England, †1743 ebenda

Deutschland
Die ersten deutschen Bölter habe ich in Westfalen gefunden. Zunächst zwei katholische Familie aus Dreierwalde, Kreis Steinfurt, Westfalen. Ich habe alle Schreibweisen vermerkt, die die LDS in den Kirchenbüchern fand. Man erkennt die Lautwandlung, nachdem Bulter und Bolter in den niederdeutschen (plattdeutschen) Sprachraum gerieten. Auf der vorigen Seite habe ich bereits angemerkt, dass wir bei all diesen Familien nicht wissen, ob der Name letztlich einen Bolzenhersteller meinte oder einen Hügelbewohner.

Nicht zu vergessen: Die Angaben stammen aus handschriftlichen Quellen, in alter Schrift und oft von amerikanischen Mormonen (LDS-Datenbanken) ausgewertet. Nimmt man die damals übliche orthographische Toleranz (und das Analphabetentum einfacher Leute) hinzu, sind viele Abweichungen einfach durch Ungenauigkeit zu erklären - die natürlich auch weitergegeben wurde. Außerdem sind nicht alle Landkreise flächendeckend von der LDS ausgewertet worden.

(> Mehr Familien aus Dreierwalde)

1. Wilhelmis Bülter
   + Adelheidis Thomwalde
   2. Joannes (Joann, Johan, Joannis) Bülter (Bulter, Bultert, Bölter) 20 Jan 1692
      + Venenna Viekers (Vicker, Ficker, Vikers)
      3. Joannes Hermannus Bülter 6 Mai 1725
      3. Margaretha Adelheidis Bülter 25 Jul 1728
      3. Wilhelmus Bultert 4 Jun 1730
      3. Adelheidis Bulter 22 Dez 1732
      3. Bernardus Bülter 11 Nov 1734
      3. Gerardus Wilhelmus Bölter 8 Nov 1739
    

1. Gerardus (Gehrd, Gerhard) Bülter (Bölter)
   + Catharina Hölscher
   2. Ann Catharina Bölter 22 Okt 1738
   2. Anna Margaritha Bülter 23 Dez 1741
   2. Joannes Gerhard Bülter 25 Feb 1744
   2. Anna Bülter 6 Nov 1746
   2. Anna Adelheidis Bülter 10 Mai 1750

Eine andere Variante aus Brenken, Westfalen (ohne bekannte männl. Nachkommen):

1. Carolus Böhler
   + Catharina Stelten
   2. Anna Catherina Bölter 17 FEB 1752

Eine evangelische Familie aus Horn-Lippe, ebenfalls Westfalen, in der zwei Namensformen im Kirchenbuch stehen.

1. Johann Jürgen Bolte (Bölte, Bölter) *ca. 1705
    + Catharina Agnetha Juncker oo 1729
     2. Anna Magdalena Bölte 28 Jan 1731
     2. Johann Christopher Bölter 15 Jan 1736
     2. Matthias Bolte 20 Dez 1739

Wer sind die direkten Vorfahren der Bölter in Hinterpommern, Posen und Umgebung?
Wir erkennen aus den obigen Beispielen aus Brenken und Horn-Lippe, dass sich Bölter auch aus anderen Vorformen als der Berufsbezeichnung (z. B. aus "Bolte") entwickelt haben könnte, doch sind das möglicherweise Schreib- oder Lesefehler und keine Klangänderung aufgrund mundartlicher Einflüsse. Jedenfalls wird die Wandlung zu Bölter belegt, die sich in Westfalen oder in Niedersachsen abgespielt haben muss.
In Norddeutschland, vor allem in der Gegend von Rheine, ist der Name Bülter heute noch anzutreffen; in den USA taucht der Name vereinzelt auf, bisweilen entstand daraus "Bilder". Eine Verbindung zu Bölter ist wahrscheinlich.

Es ist auffällig, dass der Name Bölter offenbar nur punktuell entstand, denn er ist noch im Deutschland des 18. Jahrhunderts sehr selten. Folgt man der LDS-Datenbank, wohnten ab 1750 mehr als 95% aller Bölter im Gebiet des heutigen Polens! Übrigens, die Original-Karte (Download) zeigt sehr schön, wie die Besiedlung großenteils entlang der damaligen Straßen erfolgte.

Ursprünglich dachte ich, es lassen sich alle Bölter in Osteuropa auf eine einzige Familie zurückführen, die nach dem Dreißigjährigen Krieg nach Hinterpommern zog, ev. die Eltern des ersten dokumentierten Bölter (Johannes Christoph in Gollnow), vielleicht war es sogar Johann Christoph selbst, dessen Familie den Treck von Gollnow aus nach Pommern unternahm. Kürzlich erfuhr ich dass es eine hugenottische Familie Boelter gab, die aus dem Salzburgischen vertrieben wurde und nach Ostdeutschland zog, allerdings gleich bis nach Wolhynien. Interessant ist jedenfalls, dass die Lautverschiebung zum "ö" bzw. "oe" auch außerhalb des norddeutschen Raumes stattfand. Andererseits ist es möglich, dass diese Boelter ursprünglich aus dem benachbarten, nördlichen Frankreich oder gar aus Holland stammen, viele von dort vertriebene Hugenotten gingen in die reformationsfreudigeren Alpenländer.
(Diese Skizze zeigt die Einwanderungswellen nach Wolhynien, heute Ukraine, wir erkennen, dass auch Siedler aus Pommern und Ostpreussen darunter waren. Auch hier finden wir sowohl Boelter als auch Belter.)
Die in den USA-Datenbanken durchgängige Vermeidung der Umlautstriche erschwert die Zuordnung. Es gibt jedoch keinen Hinweis darauf, dass die pommerschen und posener Bö(oe)lter Hugenotten waren.

Belter
LDS vermerkt in Gramenz und Umgebung (Nähe Neustettin) - sowie als Aussiedler nach Wolhynien und Bessarabien - viele Belter, zum Teil auch in den gleichen Orten wie die Bölter. Die Verhältnisse sind nicht exakt zu klären. Um die Vielzahl sowohl der Bölter als auch der Belter zu erklären, fehlt eine Reihe von Personen, vor allem am Ende des 17. und zu Anfang des 18. Jahrhunderts. Insgesamt ist klar, dass man außerhalb des norddeutschen Sprachraums mit dem Umlaut weniger vertraut war, was sowohl Schreibweise wie Aussprache betrifft. In der "Society for German Genealogy in Eastern Europe" werden Belter und Boelter generell zusammengefasst.

Wir finden auch in den Ostgebieten Lautverschiebungen in beide Richtung (siehe Schokken und Stettin), was die Klärung nicht gerade vereinfacht. Erschwerend kommt hinzu, dass manchmal die gleichen Personen aus verschiedenen Quellen unterschiedlich in die Datenbänke eingegeben wurde (so geschehen zum Beispiel bei Johann Boelter [Belter] *16 JUL 1815, Schokken). Allerdings waren diese Verschiebungen lokal begrenzt und wurden zum Teil wieder rückgängig gemacht. Ich vermutete anfangs, dass die Belter-Sippe bei Neustettin separat eingewandert ist, denn in Westfalen gab es auch eine Anzahl von Belter. Inzwischen tendiere ich wegen der regionalen Verteilung zu einer frühen Abspaltung innerhalb Pommerns (siehe Sellnow und Lippehne). Doch es wird sich endgültig nicht klären lassen, ob Bölter und Belter getrennt einwanderten. Da die frühesten Belter in Hagenau an der Küste wohnten, ist übrigens sogar die Einwanderung über die Ostsee (von Dänen aus dem dänischen Belt) denkbar, damit wäre die Namensherkunft eine ganz andere. Dem steht allerdings entgegen, dass die Vornamen gänzlich deutscher Tradition entsprechen.

Ich habe fast alle Belter nach Orten und in die Namensliste aufgenommen, auf der Landkarte sind die Orte lediglich blau markiert.

Pulter
Im Kreis Labiau Ostpreussen gab es - ab 1600 dokumentiert - eine lokal begrenzte, deutschsprachige Sippe Pulter (in und um Kampken, unmittelbar an der Ostsee), bei der um 1700 an ein oder zwei Beispielen die Wandlung oder Rückwandlung zu Bulter zu beobachten ist. Es ist nicht bekannt, ob Pulter den gleichen Stamm der Berufsbezeichnung hat wie Boltor und alle folgenden Varianten. Eine Verwandtschaft zu Belter und Bölter ist möglich, jedoch wenig wahrscheinlich, da die Pulter wie andere alte ostpreussische Familien absolut bodenständig waren, und es waren wohl Fischer und keine Bauern. Die Besiedlung an der Küste macht es denkbar, dass die Familie über die Ostsee einwanderte (aus England über Finnland). In Deutschland ist der Name heute wieder vertreten, vielleicht mussten auch die Pulter aus dem heute russischen Ostpreussen fliehen.

Boelter in den USA
Ab 1817 begann in den Ostgebieten die Auswanderung, die separatistischen und konservativen Lutheraner verweigerten den Anschluß an die "reformierte" Kirche, sie wurden als Sekte eingestuft und bis 1845 verfolgt (unter Friedrich Wilhelm III. und IV).
Die meisten Auswanderer gingen in die USA (Schiffslisten). Darunter waren recht früh, also ab Beginn des 18. Jahrhunderts, auch viele unserer Bölter, was darauf schließen lässt, dass sie evangelisch waren.

Ab Mitte des 19. Jahrhunderts kam zunehmende Landknappheit hinzu, und natürlich der Traum vom goldenen Amerika. Es kam zu einer regelrechten Auswanderungswelle. Die Schiffe gingen meist in den Norden der USA; Bölter siedelten vor allem in Michigan, Minnesota und Wisconsin, dort gibt es heute noch recht aktive pommersche Vereine. Eine Familie fand ich in Kanada.
Die letzten Auswandererschiffe gingen Ende des 19. Jahrhunderts über den Teich, zuletzt ausschließlich aus ökonomischen Gründen ("Ostflucht"). Waren es in Deutschland überwiegend Bauern, so finden wir in den USA unter den noch in Deutschland geborenen Boelter auch Berufe wie Zigarrendreher, Kunstschmied, Arzt, Schreiner, Saloon-Besitzer und natürlich Goldsucher.
Die Auswanderung hat zu einigem Datenverlust geführt. Viele Deutsche änderten ihre Namen (z.B. von Wilhelm zu William, von Bölter zu Belter, Bolter oder Balter), die Geburtsorte wurden oft falsch geschrieben. Wir müssen uns klar machen, dass viele unserer Vorfahren zudem Analphabeten waren.

Andererseits finden sich durch die amerikanischen Volkszählungen (Census) viele Boelter, nach Verzicht auf den Umlaut auch Bolter, Belter, Balter, die in Deutschland in den Kirchenbüchern oder anderswo überhaupt nicht dokumentiert sind. Leider, denn der amerikanische Census erfasst nur das Geburtsjahr, den Herkunftsstaat und den aktuellen Haushalt, keine eigentlichen Abstammungsdaten. Ganze Boelter-Familien, die auswanderten und zur großen Verbreitung des Namens in den USA beitrugen, konnte ich nicht der deutschen Abstammung und dem Ort zuordnen.
Das Puzzle ist unvollständig und wird es vermutlich immer bleiben. Schaut man sich die Verteilung der Familien auf die zahlreichen Orte in Pommern an, wird deutlich, wie viele Verbindungen fehlen, wie viele Söhne es gibt (ich habe sie unterstrichen), deren Nachkommen nicht bekannt sind.


Verteilung der Bölter in Deutschland heute (bitte anklicken)


Verteilung der Boelter in den USA um 1920. Die Zahlen enthalten nicht die Familien mit den Lautwandlungen zu Bolter, Belter und Balter. Die Besiedlung Kaliforniens erfolgte später, über die berühmte Route 66.


(Darstellung mit Dank übernommen von Ancestry.com)