Songtexte von Leonard Cohen

mit deutscher Übersetzung


To A Teacher (Dear Heather)

An einen Lehrer

[Dedicated to A. M. Klein (1909-1972)]

Hurt once and for all into silence.
A long pain ending without a song to prove it.
Who could stand beside you so close to Eden,
When you glinted in every eye the held-high
razor, shivering every ram and son?
And now the silent loony bin, where
The shadows live in the rafters like
Day-weary bats,
Until the turning mind, a radar signal,
lures them to exaggerate
Mountain-size on the white stone wall
Your tiny limp.

How can I leave you in such a house?
Are there no more saints and wizards
to praise their ways with pupils,
No more evil to stun with the slap
of a wet red tongue?
Did you confuse the Messiah in a mirror
and rest because he had finally come?
Let me cry Help beside you, Teacher.
I have entered under this dark roof
As fearlessly as an honoured son
Enters his father's house.


Gequält und nun endgültig in Schweigen verfallen
Langer Schmerz endet, ohne dass ein Lied davon zeugt
Wer konnte neben dir bestehen, so nahe an Eden
Mit Augen wie blitzenden Klingen
Die jeden Kraftprotz erzittern ließen und jeden Sohn? (*)
Und jetzt das stille Irrenhaus, wo Schatten in den
Dachsparren hausen wie
Tagesmüde Fledermäuse
Bis der wie ein Radar kreisende Geist
Sie verführt, sich aufzublähen
Zu einem Schattenberg auf weißer Mauer
Dein kleines Hinken

Wie kann ich dich in solch einem Haus zurücklassen?
Gibt es keine Heiligen und Hexer mehr
Die ihren Weg mit ihren Schülern feiern
Nichts Übles mehr, das man mit
Feucht-rotem Zungenschlag erledigt?
Hast du ein Spiegelbild für den Messias gehalten
Und ruhst dich aus, weil er endlich da ist?
Lass mich für dich nach Hilfe rufen, Lehrer
Ich bin unter dieses dunkle Dach gekommen
So furchtlos, wie ein geschätzter Sohn
Seines Vaters Haus betritt

(*) = Schüler, siehe vorletzte Zeile

A.M. Klein war einer der poetischen "Väter" Cohens, er fiel im Alter, versehen mit einer klinischen Diagnose (Demenz) in selbst gewähltes Schweigen. Cohens Besuch in der psychiatrischen Klinik, den der Song beschreibt, zeigt die Enttronung eines Idols, Enttäuschung, doch auch Mitgefühl. Aus meiner Sicht eines der wunderbarsten Songs Cohens, gleichzeitig eine stellvertretende Auseinandersetzung mit seiner Vaterthematik. Manche, die ihren Vater früh verlieren, erlebt die Desillusionierung eines männlichen Vorbilds erst am Vaterersatz..
Der Text stammt aus seinem 1961 erschienen Gedichtband "Spice Book Of Earth".


Originaltexte: Copyright für Deutschland bei Sony/ATV Music Publishing.
Übersetzungen: Copyright Detlev Bölter


Fast alle Interviewzitate (in Parenthesen) unterhalb der Songtexte stammten im Original von der Website "Diamonds in the lines" von Marc Gaffie:
www.leonardcohen-prologues.com.