Songtexte von Leonard Cohen

mit deutscher Übersetzung


The Future (The Future)

Die Zukunft

Give me back my broken night
my mirrored room, my secret life
it's lonely here,
there's no one left to torture
Give me absolute control
over every living soul
And lie beside me, baby,
that's an order!

Give me crack and anal sex
Take the only tree that's left
and stuff it up the hole
in your culture
Give me back the Berlin wall
give me Stalin and St. Paul
I've seen the future, brother:
it is murder.

Things are going to slide, slide in all directions
Won't be nothing
Nothing you can measure anymore
The blizzard, the blizzard of the world
has crossed the threshold
and it has overturned
the order of the soul
When they said REPENT REPENT
I wonder what they meant
...

You don't know me from the wind
you never will, you never did
I'm the little jew
who wrote the Bible
I've seen the nations rise and fall
I've heard their stories, heard them all
but love's the only engine of survival
Your servant here, he has been told
to say it clear, to say it cold:
It's over, it ain't going any further
And now the wheels of heaven stop
you feel the devil's riding crop
Get ready for the future:
it is murder.

Things are going to slide ...

There'll be the breaking of the ancient
western code
Your private life will suddenly explode
There'll be phantoms
There'll be fires on the road
and the white man dancing
You'll see a woman
hanging upside down
her features covered by her fallen gown
and all the lousy little poets
coming round
tryin' to sound like Charlie Manson
and the white man dancin'.

Give me back the Berlin wall
Give me Stalin and St Paul
Give me Christ
or give me Hiroshima
Destroy another fetus now
We don't like children anyhow
I've seen the future, baby:
it is murder.

Things are going to slide ...
Gebt mir die Dämmerung zurück
Mein Spiegelzimmer, mein heimliches Leben
Es ist einsam hier
Niemand ist mehr da zum Foltern
Gebt mir absolute Kontrolle
Über jedes Lebewesen
Und du, leg' dich zu mir, Baby
Das ist ein Befehl!

Gebt mir Crack und analen Sex
Nehmt den letzten Baum
Und verstopft damit die Leere
In eurer Kultur
Gebt mir die Berliner Mauer zurück
Gebt mir Stalin und Paulus
Ich habe die Zukunft gesehen, Bruder
Sie ist mörderisch

Die Dinge entgleiten in alle Richtungen
Es wird nichts mehr bleiben
Was ihr noch regeln könnt
Ein Blizzard ist ausgebrochen
Erfasst die ganze Welt
Und hat die Gebote
Der Seele zunichte gemacht
Als sie riefen BEREUE, BEREUE
Fragte ich mich, was sie meinten
...

Ihr habt mich nie für voll genommen
Ihr werdet es nie, tatet es nie
Ich bin der kleine Jude
Der die Bibel schrieb
Ich habe Nationen wachsen und fallen sehen
Ich hörte ihre Geschichten, kenne sie alle
Doch Liebe ist der einzige Überlebensmotor
Eurem Diener hier wurde aufgetragen
Es klipp und klar zu sagen
Es ist vorbei, es geht nicht mehr weiter
Die Himmelsmaschinerie stoppt
Ihr fühlt des Teufels Peitsche
Bereitet euch auf die Zukunft vor
Sie ist mörderisch

Die Dinge entgleiten in alle Richtungen ...

Die alten westlichen Werte
Werden zerbrechen
Euer Privatleben wird wie nichts vergehen
Es wird spuken
Es wird Feuer in den Straßen geben
Und der weiße Mann, er tanzt
Ihr werdet eine Frau sehen
An den Füßen aufgehängt
Das Gesicht verhüllt vom fallenden Kleid
Und all die lausigen kleinen Poeten
Kommen vorbei und
Spielen sich auf wie Charlie Manson
Und der weiße Mann, er tanzt

Gebt mir die Berliner Mauer zurück
Gebt mir Stalin und Paulus
Gebt mir Christus
Oder gebt mir Hiroshima
Vernichtet noch einen Fötus
Kinder lieben wir sowieso nicht
Ich habe die Zukunft gesehen, Baby
Sie ist mörderisch

Die Dinge entgleiten in alle Richtungen ...


Backstage Interview July 15th, 1993
"Ich begann den Song zur gleichen Zeit wie "Democracy". All diese Songs haben mit dem Fall der Berliner Mauer zu tun. Man musste ja das Glück der Menschen bejahen, doch ich hatte die klare Vorstellung, dass dies eine Menge Leid hervorrufen würde. Und unglücklicherweise kam es dazu."

Interview  "Bob Harriss Show"  26/05/93
"Ich glaube, ich habe mit dem Song so angefangen, wie ich das sonst auch tue. Einfach ein wenig am Bodensatz herumkratzen. Ich dachte nie, dass ich wie vor einem Buffet stehe und darüber eine Menge schreiben muss. Es ist wie ein Gefühl zu wachsen; dass es juckt, und du kannst dich nicht kratzen. So als ob deine Gedanken in deinem Kopf kreisen, auf nicht sehr angenehme Weise, eher unbehaglich, man versucht, den Kern von etwas zu erfassen. Die Berliner Mauer war gerade gefallen, als ich mit dem Schreiben begann. Und ich wusste nicht, warum, doch ich hatte dieses ... es war ein schmerzliches Gefühl, und ein bedrückendes. Wir haben uns gefreut, und natürlich freute man sich, man sah, wie die Maurer fiel. Man dachte daran, dass sich Familien wiedervereinen und dass das Land auf seine eigene Weise weiterkommen könnte. Wenn ein Riss wieder heilt, ist das immer eine angenehme Vorstellung. Und ich wusste nicht, weshalb ich es so bedrückend fand. Die Leute sagen stets, dass mich alles Mögliche bedrückt. Das stimmt. Auch die Vorstellung von Demokratie im Osten, in der Sowjetunion und in Osteuropa, bedrückt mich. In der Tat lautete eine der Strophen, die ich in den 50er oder 60er Jahren für 'Democracy' verwarf: 'It ain't comin' to us European-style, /Concentration camp behind the smile; /It ain't comin' from the east/ With its temporary feast /As Count Dracula comes strolling down the aisle.' (Sie kommt nicht auf die europäische Art /Mit jenem Lächeln, das Konzentrationslager verbirgt/ Sie kommt nicht aus dem Osten /Wo sie ohne Plan verprassen/ Während Fürst Dracula den Gang herunter schreitet). Ich glaubte nicht daran, dass die osteuropäischen kommunistischen Republiken sich Hals über Kopf in die lebensbejahende Demokratie stürzen, so wie das jeder erhoffte. Und aus irgendeinem seltsamen Grund glaubte ich, dass - wenn eine zentrale Führung zusammenbricht, wenn die Katze aus dem Haus ist - die Mäuse auf dem Tisch tanzen. So sind die Menschen ... Und gewöhnlich, und aus historischer Sicht, gibt es dann Massaker. Ich bin nicht froh darüber, dass sich meine Prophezeiungen bestätigt haben. Doch das waren die begleitenden Gefühle, als es begann. Ich wusste nie, was bei dem Song am Ende herauskommt, bis ich ihn Strophe für Strophe aufschrieb. Der Grund dafür, warum es so lange dauerte, war, dass ich jede Strophe perfekt schreiben musste, es perfekt zustande bringen musste. Nur beim Schreiben kann man die Ausreden und die Slogans und die Alltagssprüche hinter sich lassen. Also, 'The Future' ist der Song, den die Zukunft weint, den die Zukunft aus mir herauswand. Es geht nicht um Politik, es ist eine Art Psycho-Geo-Politik, mit der die Zukunft diesen Aufschrei aus mir, aus meinem Herzen hervorbringt."


Originaltexte: Copyright für Deutschland bei Sony/ATV Music Publishing.
Übersetzungen: Copyright Detlev Bölter


Fast alle Interviewzitate (in Parenthesen) unterhalb der Songtexte stammten im Original von der Website "Diamonds in the lines" von Marc Gaffie:
www.leonardcohen-prologues.com.