Songtexte von Leonard Cohen

mit deutscher Übersetzung


Queen Victoria (Live Songs)

Queen Victoria

Queen Victoria,
My father and all his tobacco loved you,
I love you too in all your forms,
The slim and lovely virgin
floating among german beer,
The mean governess of the huge pink maps,
The solitary mourner of a prince.

Queen victoria,
I am cold and rainy,
I am dirty as a glass roof in a train station,
I feel like an empty cast iron exhibition,
I want ornaments on everything,
Because my love, she gone with other boys.

Queen victoria,
Do you have a punishment under the white lace,
Will you be short with her,
will you make her read those little bibles,
Will you spank her with a mechanical corset.
I want her pure as power,
I want her skin slightly musty with petticoats
Will you wash the easy bidet out of her head?

Queen victoria,
Im not much nourished by modern love,
Will you come into my life
With your sorrow and your black carriages,
And your perfect memories.

Queen victoria,
The twentieth century belongs to you and me.
Let us be two severe giants
not less lonely for our partnership,
Who discolour test tubes
in the halls of science,
Who turn up unwelcome at every worlds fair,
Heavy with proverbs and corrections,
Confusing the star-dazed tourists
With our incomparable sense of loss.
Queen Victoria
Mein Vater mitsamt seinem Tabak liebte dich
Ich liebe dich auch, in all deinen Formen
Als schlanke, niedliche Jungfrau
Die in deutschem Bier planscht
Als mickrige Herrscherin über riesige, rosa Landkarten
Als die eine, die über einen Prinzen trauert (*)

Queen Victoria
Mir ist bin kalt, bin nass vom Regen
Ich bin schmutzig wie das Glasdach eines Bahnhofs
Ich fühle mich wie eine ausgeräumte Gusseisen-Ausstellung
Ich will überall Verzierungen drauf
Denn meine Liebste ging fort mit anderen Jungs

Queen Victoria
Verbirgst du einen Rohrstock unter der Spitzenwäsche?
Fackelst du nicht lange?
Zwingst du sie, diese kleinen Bibeln zu lesen?
Versohlst du sie mit einem Metallkorsett?
Ich will sie als Naturkraft
Ich will ihre leicht nach Petticoats miefende Haut
Und treibst du ihr bitte den Wunsch nach Bidets aus?

Queen Victoria
Die heutige Art zu lieben erfüllt mich nicht
Magst du nicht in mein Leben treten
Mit deinen Sorgen, deinen schwarzen Kutschen
Und deinem perfekten Gedächtnis?

Queen Victoria,
Das 20. Jahrhundert gehört uns beiden (**)
Lass uns beide Giganten sein
Partner, doch deshalb nicht weniger einsam
Lass uns Farbe in Reagenzgläser kippen
In den Hallen der Wissenschaft
Ungeladen zu jeder Weltausstellung erscheinen
Triefend vor Besserwisserei und Sprüchen
Die Sternennebeltouristen verwirren
Mit unserem unvergleichlichen Gespür, wie man verliert


(*) Victorias Ehemann, Albert von Sachsen-Coburg und Gotha, war - da aus deutschem Adel - in England nicht sonderlich beliebt. Er starb 1861.
(**) Victoria starb 1901

Ist das Cohens heimliche (man weiß ja nie so recht, vielleicht auch ironisch gemeinte) Neigung zu einem ganz anderen Frauentypus, in klarem, wenn auch aus heutiger Sicht antiquiertem Rollenverständnis und unmissverständlichen Attributen? Sehr melancholisch gesungen, in nettem Kontrast zu den angedeuteten Schlüpfrigkeiten. Die letzte Zeile: wunderbar!


Copyright für die Originaltexte bei Sony® Music.
Copyright für alle Übersetzungen bei Detlev Bölter



Fast alle Interviewzitate unterhalb der Songtexte stammten im Original von der Website "Diamonds in the lines" von Marc Gaffie (jetzt wieder erreichbar unter www.leonardcohen-prologues.com.
Die zuverlässigsten Originaltexte sind bei den "Leonard Cohen Files" zu finden. Auch den Betreibern dieser Site ein Dankeschön!