Songtexte von Leonard Cohen

mit deutscher Übersetzung


First We Take Manhattan (I'm Your Man)

Zuerst nehmen wir uns Manhattan
They sentenced me to twenty years of boredom
For trying to change the system from within
I'm coming now, I'm coming to reward them
First we take Manhattan, then we take Berlin

I'm guided by a signal in the heavens
I'm guided by this birthmark on my skin
I'm guided by the beauty of our weapons
First we take Manhattan, then we take Berlin

I'd really like to live beside you, baby
I love your body and your spirit and your clothes
But you see that line there moving through the station?
I told you, I told you, told you, I was one of those

Ah, you loved me as a loser,
but now you're worried that I just might win
You know the way to stop me,
but you don't have the discipline
How many nights I prayed for this, to let my work begin
First we take Manhattan, then we take Berlin

I don't like your fashion business, mister
And I don't like these drugs that keep you thin
I don't like what happened to my sister
First we take Manhattan, then we take Berlin

I'd really like to live beside you, baby ...

And I thank you for those items that you sent me
The monkey and the plywood violin
I practiced every night, now I'm ready
First we take Manhattan, then we take Berlin

Ah remember me, I used to live for music
Remember me, I brought your groceries in
Well it's Father's Day and everybody's wounded
First we take Manhattan, then we take Berlin
Sie verdammten mich zu zwanzig Jahren dumpfen Stillhaltens
Weil ich das System von innen verändern wollte
Jetzt bin ich dabei, es ihnen zu vergelten
Zuerst nehmen wir Manhattan ein, und dann Berlin

Den Weg weist mir ein Zeichen des Himmels
Den Weg weist mir mein Muttermal
Den Weg weist mir die Schönheit unserer Waffen
Zuerst nehmen wir Manhattan ein, und dann Berlin

Gern würde ich mit dir leben, Baby
Ich liebe deinen Körper, deinen Geist, deine Klamotten
Doch siehst du die Herde durch den Bahnhof trotten?
Du weißt, ja du weißt, so war ich auch mal

Als Loser habt ihr mich gemocht (*)
Jetzt habt ihr Sorge, ich könnte siegen
Ihr wisst, wir ich aufzuhalten wäre
Doch dafür seid ihr zu dekadent
Wie oft habe ich nachts darum gebetet, es möge losgehen
Zuerst nehmen wir Manhattan ein, und dann Berlin

Ich kann Ihren Modeshop nicht leiden, Mister
Auch nicht diese Schlankheitspillen
Ich mag nicht, was meiner Schwester passierte
Zuerst nehmen wir Manhattan ein, und dann Berlin

Gern würde ich mit dir leben, Baby ...

Und danke für das Zeugs, das du mir geschickt hast
Ein Äffchen und 'ne Sperrholzgeige, welch ein Witz!
Jede Nacht habe ich trainiert, jetzt bin ich bereit
Zuerst nehmen wir Manhattan ein, und dann Berlin

Ah, denk an mich, einst war Musik mein Ding
Vergiss mich nicht, ich hab dir beim Einkauf geholfen
Doch jetzt ist Vatertag, und alle tragen Wunden
Zuerst nehmen wir Manhattan ein, und dann Berlin


(*) Es wechselt in Cohens Songs häufig, wen er mit "you" anspricht, das ist ein lyrischer Kunstgriff. Ich war so frei, hier das "you" in der Mehrzahl zu interpretieren, genauso wäre das "du" möglich. Siehe unten.

Cohens bekannter Song über einen Moslem, einen "Schläfer", der zum Terroristen wird. Cohen hat die Stringenz und Kompromisslosigkeit der Terroristen stets bewundert, was sich nicht auf deren Taten bezieht, nur auf die konsequente, innere Haltung. In nicht immer eindeutigen Bildern finden wir die Ablehnung westlich-materieller Dekadenz, aber auch die Hybris des Terrorismus - die Refrainzeile ist vielleicht eine Anspielung auf das Nazilied "Und heute (ge)hört uns Deutschland, und morgen die ganze Welt."
"Birthmark" (2. Strophe) bezieht sich auf den islamischen Glauben, dass bestimmte Muttermale jemanden als Auserwählten kennzeichnen. Oft diskutiert werden die Zeilen mit "The monkey and the plywood violin" und "It´s Father´s Day and everybody´s wounded". Erstere meint unsere aus islamischer Sicht lächerlichen Attribute der Selbstdarstellung; Cohen erwähnte, dass hatte beim Schreiben das innere Bild eines Leierkastenmanns hatte. Die Variante "plywood violin" wurde wohl als Reim zu "Berlin" erforderlich. Das sarkastische Lachen im Song habe ich verbalisiert. Die andere Zeile beschreibt den Wechsel von der Ebene der "normalen", westlichen Beziehung zu einer Frau hin zum "männlichen" Kriegs- und Wundenpathos des Fundamentalisten, der sich - terrorbereit - verabschiedet. Die erste Zeile dieser Strophe bezieht sich darauf, dass im strengen Islam Musik verboten ist.
Einiges bleibt Deutung, wie so oft wechselt Cohen durch mehrere, durchlässige Ebenen. Man beachte den Wechsel des "You", eines von Cohens oft verwendeten Stilmittels. Es werden wechselnde Personen oder Zielgruppen angesprochen - auch Anteile in jedem von uns. Hier bleibt Spielraum für Deutung, auch für ironische und selbstironische Anteile. Beispiel: Mit "zwanzig Jahren Stumpfsinn" könnte auch die Zeit seines Lebens gemeint sein, in der er als reiner Lyriker erfolglos war und jetzt andere Seiten (Saiten) aufzieht. Oder "Vatertag": Eine Anspielung darauf, dass seine Kinder nach der Trennung bei seiner Partnerin blieben, oder der Hinweis, dass das Handeln jetzt Sache der Männer ist?


Es gibt zahlreiche (meist nicht sehr ergiebige) Kommentare Cohens zu diesem Song, ich habe einige davon im Original gespeichert.


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Copyright für alle Übersetzungen bei Detlev Bölter



Fast alle Interviewzitate unterhalb der Songtexte stammten im Original von der Website "Diamonds in the lines" von Marc Gaffie (jetzt wieder erreichbar unter www.leonardcohen-prologues.com.
Die zuverlässigsten Originaltexte sind bei den "Leonard Cohen Files" zu finden. Auch den Betreibern dieser Site ein Dankeschön!