Songtexte von Leonard Cohen

mit deutscher Übersetzung


Death Of A Ladies Man (Death Of A Ladies Man)

Tod eines Frauenhelden

Ah the man she wanted all her life
Was hanging by a thread
"I never even knew how much
I wanted you," she said.
His muscles they were numbered
And his style was obsolete.
"O baby, I have come too late."
She knelt beside his feet.

"I'll never see a face like yours
In years of men to come
I'll never see such arms again
In wrestling or in love."
And all his virtues burning
In the smoky Holocaust
She took unto herself most
Everything her lover lost

Now the master of this landscape
He was standing at the view
With a sparrow of St. Francis
That he was preaching to
She beckoned to the sentry
Of his high religious mood
She said, "I'll make a place between my legs,
I'll show you solitude."

He offered her an orgy
In a many mirrored room
He promised her protection
For the issue of her womb
She moved her body hard
Against a sharpened metal spoon
She stopped the bloody rituals
Of passage to the moon

She took his much admired
Oriental frame of mind
And the heart-of-darkness alibi
His money hides behind
She took his blonde madonna
And his monastery wine
"This mental space is occupied
And everything is mine."

He tried to make a final stand
Beside the railway track
She said, "The art of longing's over
And it's never coming back."
She took his tavern parliament,
His cap, his cocky dance,
she mocked his female fashions
And his working-class moustache.

The last time that I saw him
He was trying hard to get
A woman's education
But he's not a woman yet
And the last time that I saw her
She was living with some boy
who gives her soul an empty room
And gives her body joy.

So the great affair is over
But whoever would have guessed
it would leave us all so vacant
And so deeply unimpressed
It's like our visit to the moon
Or to that other star
I guess you go for nothing
If you really want to go that far.

Der Mann, den sie immer schon wollte
Hing an einem Faden
"Mir war nie klar, wie sehr
Ich dich wollte", sagte sie
Seine Muskeln konnte man einzeln zählen
Und sein Stil war von vorgestern
"O Baby, ich kam zu spät"
Sie fiel neben ihm auf die Knie

"Nie wieder find' ich ein Gesicht wie deins
In Jahren nicht!
Solche Arme werde ich nie mehr sehen
Weder in Ringerpose noch in der Umarmung"
Und all seine Pracht verbrannte
Im Rauch des Holocaust
Sie klaubte fast alles auf von dem
Was ihr Geliebter zurück ließ

Der Herr über Felder und Wiesen
Stand und schaute hinaus
Dabei war ein Sperling von Franz von Assisi
Dem er eine Predigt hielt
Sie winkte den Hüter
Seiner geistlichen Hochstimmung zu sich
Und sprach: "Ich mach' dir Platz zwischen meinen Beinen
Ich zeige dir, was Einsamkeit ist"

Er bot ihr eine Orgie an
In einem verspiegelten Zimmer
Er versprach ihr Schutz
Für die Frucht ihres Schoßes
Sie presste ihren Körper fest
Gegen einen scharfen Löffel (*)
Und beendete die blutigen Rituale
Der Reise zum Mond

Sie nahm ihm seine allseits bewunderte
Kenntnis des Orient
Und sein Alibi eines Herzens der Finsternis
Hinter dem sich sein Geld verbirgt
Sie nahm seine blonde Madonna
Und seinen Klosterwein
"Dieser Teil der Seele ist jetzt besetzt
und alles gehört mir"

Er leistete letzten Widerstand
Neben dem Bahnsteig
Sie sagte "Sehnsucht als Kunstform ist passé
Und wird es nie mehr geben"
Sie nahm ihm seinen Stammtischplatz
Seine Mütze, seinen Geckentanz
Sie spottete über seine femininen Klamotten
Und seinen Arbeiter-Schnauzbart

Als ich ihn das letzte Mal sah
Gab er sich grosse Mühe
Sich wie eine Frau zu benehmen
Aber er ist noch keine geworden
Und als ich sie das letzte Mal sah
Lebte sie mit einem Jungen zusammen
Der ihrer Seele Freiheit gab
Und ihrem Körper den Spaß, den sie wollte

Also ist die großartige Liebesgeschichte vorbei
Doch wer hätte je gedacht
Dass sie uns so leer
Und so gleichgültig zurücklässt?
Es ist wie unser Flug zum Mond
Oder zu einem anderen Stern
Ich denke, es kommt nichts dabei heraus
Falls man überhaupt so weit gehen will


(*) verm. ist Abtreibung gemeint

Phil Spector, der das Album produzierte und die musikalische Gestaltung verantwortete, hat offensichtlich Anleihen bei den beiden bekanntesten Songs von Procol Harum gemacht. Ich empfinde das als befremdlich. Das ganze Album ist für meinen Geschmack musikalisch ziemlich missglückt.

Zum Text: Cohen beschreibt IMHO die Resignation des Frauenhelden (und damit seine eigene) durch die Aufhebung der klassischen Geschlechtsmerkmale, durch wahlweise Übernahme oder Verspottung männlicher Attribute durch Frauen und durch Versuche der Männer, weiblicher zu sein. Bekannter Weise hielt Cohens Resignation nicht allzu lange an, und weder Mönchstum noch das Erreichen des Rentenalters konnten dem "Ladies Man" in ihm etwas anhaben. Allerdings hat er sich gegen dieses (vielleicht nur projizierte) Image immer gewehrt und von seinen zehntausend einsamen Nächten gesprochen.


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Copyright für alle Übersetzungen bei Detlev Bölter



Fast alle Interviewzitate unterhalb der Songtexte stammten im Original von der Website "Diamonds in the lines" von Marc Gaffie (jetzt wieder erreichbar unter www.leonardcohen-prologues.com.
Die zuverlässigsten Originaltexte sind bei den "Leonard Cohen Files" zu finden. Auch den Betreibern dieser Site ein Dankeschön!