Songtexte von Leonard Cohen

mit deutscher Übersetzung


By The Rivers Dark (Ten New Songs)

Bei den dunklen Wassern
By the rivers dark I wandered on,
I lived my life in Babylon.

And I did forget my holy song:
And I had no strength in Babylon.

By the rivers dark where I could not see
Who was waiting there who was hunting me.

And he cut my lip and he cut my heart,
So I could not drink from the river dark.

And he covered me, and I saw within,
My lawless heart and my wedding ring,

I did not know and I could not see
Who was waiting there, who was hunting me.

By the rivers dark I panicked on.
I belonged at last to Babylon.

Then he struck my heart with a deadly force,
And he said, "This heart: It is not yours."

And he gave the wind my wedding ring;
And he circled us with everything.

By the rivers dark, in a wounded dawn,
I live my life in Babylon.

Though I take my song from a withered limb,
Both song and tree, they sing for Him.

Be the truth unsaid and the blessing gone,
If I forget my Babylon.

I did not know and I could not see,
Who was waiting there, who was hunting me.

By the rivers dark, where it all goes on,
By the rivers dark in Babylon.
Ich streifte umher bei den dunklen Wassern
Verbrachte mein Leben in Babylon

Und ich vergaß mein heiliges Lied
Ich hatte keine Kraft dort, in Baylon

Bei den dunklen Wassern, wo ich nicht sah
Wer dort lauerte, mich jagte

Und er zerschnitt meine Lippe und mein Herz
So konnte ich vom dunklen Wasser nicht trinken

Er breitete eine Decke über mich, darunter sah ich
Mein gesetzloses Herz und meinen Trauring

Ich wusste nicht, ich konnte nicht erkennen
Wer dort lauerte, mich jagte

Bei den dunklen Wassern geriet ich in Panik
Am Ende gehörte ich zu Babylon

Dann durchbohrte er mein Herz, ein Todesstoß
Und sprach: "Dies Herz ist nicht das deine"

Und er übergab meinen Trauring dem Wind
Und er schloss uns völlig ein

Bei den dunklen Wassern, in wundem Dämmerlicht
Verbrachte ich mein Leben in Babylon

Auch wenn ich mein Lied von einem dürren Ast nahm (*)
Das Lied und der Baum, sie singen für Ihn

Leb du die stille Wahrheit und den verlorenen Segen
Falls ich mein Babylon vergesse

Ich wusste nicht, ich konnte nicht erkennen
Wer dort lauerte, mich jagte

Bei den dunklen Wassern, wo alles weitergeht,
Bei den dunklen Wassern in Babylon


(*) siehe Psalm 137 (unten)

Der Tempel von Jerusalem (das "Herz" des damaligen Judaismus) wurde im 6. Jahrh. v. Chr. von den Babyloniern zerstört, die Juden nach Babylon versklavt. "Rivers of Babylon" bezieht sich auf den Psalm ("Lied" in Strophe 11) 137, in dem Zion verehrt wird:
"An den Strömen Babels saßen wir und weinten, wenn wir an Zion gedachten.
An den Weiden, die dort sind, hängten wir unsere Lauten auf.
Denn die uns dort gefangen hielten, forderten von uns, dass wir Lieder sängen,
Und unsere Peiniger, dass wir fröhlich seien: Singt uns eines von den Zionsliedern!
Wie sollten wir ein Lied des Herrn singen auf fremdem Boden?" (Auszug)

"By The Rivers Dark" ist Cohens Version der ewigen und dunklen Sehnsucht der Juden nach einer Heimat, zugleich ein Lied über das Vergessen der eigenen Wurzeln in der Fremde. Einige Bilder vermag ich nicht zu deuten, z.B. erinnert mich "And he cut my lip and he cut my heart" eher an aztekische, also ganz bibelfremde Bräuche.



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Fast alle Interviewzitate unterhalb der Songtexte stammten im Original von der Website "Diamonds in the lines" von Marc Gaffie (jetzt wieder erreichbar unter www.leonardcohen-prologues.com.
Die zuverlässigsten Originaltexte sind bei den "Leonard Cohen Files" zu finden. Auch den Betreibern dieser Site ein Dankeschön!