Songtexte von Leonard Cohen

mit deutscher Übersetzung


Bird On A Wire (Songs From A Room)

Vogel auf dem Draht

Like a bird on the wire,
Like a drunk in a midnight choir
I have tried in my way to be free.
Like a worm on a hook,
Like a knight from some old fashioned book
I have saved all my ribbons for thee.

If I, if I have been unkind,
I hope that you can just let it go by.
If I have been untrue
I hope you know it was never to you.

Like a baby, stillborn,
Like a beast with his horn
I have torn everyone who reached out for me.
But I swear by this song
And by all that I have done wrong
I will make it all up to thee.

I saw a beggar leaning on his wooden crutch,
He said to me, "You must not ask for so much."
And a pretty woman leaning in her darkened door,
She cried to me, "Hey, why not ask for more?"

Oh, Like a bird on the wire,
Like a drunk in a midnight choir
I have tried in my way to be free.
Wie ein Vogel hoch auf einem Draht (*)
Wie einer aus dem Chor der Trinker um Mitternacht
Habe ich auf meine Art versucht, frei zu sein
So wie ein Wurm am Haken hängt
Ein Ritter aus alter Zeit treu ist
So bewahrte ich die Bande zu dir

Falls ich lieblos war
Hoffe ich, du kannst es vergessen
Wenn ich gelogen habe
Hoffe ich, dass es nie dich betraf

Wie ein totgeborenes Kind
Wie ein gehörntes Monster
Verletzte ich jeden, der mir zu nahe kam
Doch ich schwöre bei diesem Song
Und bei allem, was ich falsch gemacht habe:
Ich werde dich für alles entschädigen

Ich sah einen Bettler, gestützt auf seine Krücke
Er sagte zu mir: "Du darfst nicht so gierig sein!"
Eine schöne Frau lehnte in ihrer dunklen Türnische
Sie rief: "Hey, warum willst du nicht mehr?"

Wie ein Vogel hoch auf einem Draht
Wie einer aus dem Chor der Trinker um Mitternacht
Habe ich auf meine Art versucht, frei zu sein

(*) "Bird On A Wire" ist Cohens Sinnbild, den landschaftlich hässlichen, technischen Fortschritt der Telefonmasten und -kabel (allgemein: Veränderungen) so zu nutzen, wie es ein Vogel tut - wie es sich eben anbietet, ohne damit zu hadern.

"Den Song habe ich in Griechenland begonnen, als die Insel, auf der ich lebte, noch nicht verkabelt war. Es gab keine Telefonkabel, überhaupt keine Telefone und auch keine Elektrizität. Eines Tages pflanzten sie diese Telefonmasten auf - heute würde niemand darauf achten, doch als sie das erste Mal zu sehen waren, nahm es mich ganz gefangen - ich starrte aus dem Fenster auf diese Drähte und dachte, nun hat mich die Zivilisation eingeholt und ich hätte keine Chance, dem zu entkommen. Ich konnte dieses Leben, das wie aus dem 11. Jahrhundert war und das ich für mich gefunden hatte, nicht mehr weiterführen. So war das zu Anfang. Dann bekam ich natürlich mit, dass sich Vögel auf diese Drähte setzten, und das war der Beginn des Songs. 'Like a drunk in a midnight choir' entstand ebenfalls auf dieser Insel, wo Trinker wie ich auf den Treppen herumsaßen. Die Leute dort haben das problemlos akzeptiert, selbst wenn es Mitternacht wurde. Ihr hättet drei Typen sehen können, die sich im Kreis in den Armen hielten, auf den Stufen herumstolperten und in einwandfreien Terzen sangen. So kam es auf dieser Insel zu dem Bild 'Like a drunk in a midnight choir'."
Interview 1993 (Magazine "Songtalk")

Cohen hat den Text bei Live-Auftritten teilweise stark variiert



Originaltexte: Copyright für Deutschland bei Sony/ATV Music Publishing.
Übersetzungen: Copyright Detlev Bölter


Fast alle Interviewzitate (in Parenthesen) unterhalb der Songtexte stammten im Original von der Website "Diamonds in the lines" von Marc Gaffie:
www.leonardcohen-prologues.com.