Songtexte von Leonard Cohen

mit deutscher Übersetzung


Avalanche (Songs Of Love And Hate)

Lawine

Well I stepped into an avalanche,
it covered up my soul;
when I am not this hunchback that you see,
I sleep beneath the golden hill.
You who wish to conquer pain,
you must learn, learn to serve me well.

You strike my side by accident
as you go down for your gold.
The cripple here that you clothe and feed
is neither starved nor cold;
he does not ask for your company,
not at the centre, the centre of the world.

When I am on a pedestal,
you did not raise me there.
Your laws do not compel me
to kneel grotesque and bare.
I myself am the pedestal
for this ugly hump at which you stare.

You who wish to conquer pain,
you must learn what makes me kind;
the crumbs of love that you offer me,
they're the crumbs I've left behind.
Your pain is no credential here,
it's just the shadow, shadow of my wound.

I have begun to long for you,
I who have no greed;
I have begun to ask for you,
I who have no need.
You say you've gone away from me,
but I can feel you when you breathe.

Do not dress in those rags for me,
I know you are not poor;
you don't love me quite so fiercely now
when you know that you are not sure,
it is your turn, beloved,
it is your flesh that I wear.
Ich geriet in eine Lawine
Die meine Seele unter sich begrub
Wenn du mich mal nicht als Buckligen wahrnimmst
Schlafe ich am Fuß des goldenen Hügels
Willst du den Schmerz besiegen
Dann lerne mir zu dienen

Versehentlich berührst du mich an der Seite
Während du unten nach deinem Gold suchst (*)
Dieser Krüppel hier, den du kleidest und fütterst
Ist nicht hungrig, auch friert er nicht
Er bittet nicht um deine Begleitung
Nicht zum Zentrum der Welt

Wenn ich oben auf bin
Dann nicht, weil du mich auf ein Podest stellst
Deine Regeln können mich nicht zwingen
Wie eine Witzfigur hier nackt zu knien
Ich selbst bin das Podest
Für den hässlichen Buckel, auf den du starrst

Willst du deinen Schmerz besiegen
Erlerne zunächst, was mich freundlich stimmt
Die Bröckchen von Liebe, die du anbietest
Sind jene, die ich zurück ließ
Dein Schmerz hat hier keine Bedeutung
Er ist nur der Schatten meiner Wunde

Ich begann mich nach dir zu sehnen
Ich, der nicht gierig ist
Ich begann dich zu bitten
Ich, der keine Bedürfnisse hat
Du sagst, du hast mich verlassen
Doch ich spüre jeden deiner Atemzüge

Zieh nicht in diese Lumpen für mich an
Ich weiß, arm bist du nicht
Deine Liebe zu mir kann nicht mehr so groß sein
Wenn du merkst, dass du ihrer unsicher bist
Jetzt bist du dran, Geliebte
Es ist dein Fleisch, das ich trage

(*) Vermutliche eine Anspielung auf ihre Selbstbefriedigung, vgl. "Iodine". Cohen verschlüsselt verschiedentlich sexuelle Bezüge, ebenso wie den Drogengebrauch - aus dichterischen Gründen oder wohl auch, um nicht Anstoss beim Publikum zu erregen.
Ein sehr psychologisch/psychoanalytischer Interpretationsversuch ist hier zu finden: http://lcngarc.twoshakesofalambstail.com/1996/02/1996020082.html - mit dem ich mich allerdings nicht anfreunden kann. Es gibt komplizierte Deutungen über die zweite Strophe, wie "Gold" in Cohens und in C.G. Jungs Texten symbolisch für seelische Anteile steht. Für Cohen eher typisch wäre, dass er umschreibt, wie er - ganz profan - von dem Ellbogen einer heimlich masturbierenden Frau angestoßen wird.
Freilich spricht der Text jeden von uns auf andere Weise an - ich fühle mich an "Master Song" erinnert: Ein verbitterter Ex-Liebhaber, der nach einer großen Kränkung (Lawine) die Wiederannäherung der Frau zynisch ablehnt und seine Verhärtung und seine Überlegenheit deutlich macht.


Copyright für die Originaltexte bei Sony® Music.
Copyright für alle Übersetzungen bei Detlev Bölter



Fast alle Interviewzitate unterhalb der Songtexte stammten im Original von der Website "Diamonds in the lines" von Marc Gaffie (jetzt wieder erreichbar unter www.leonardcohen-prologues.com.
Die zuverlässigsten Originaltexte sind bei den "Leonard Cohen Files" zu finden. Auch den Betreibern dieser Site ein Dankeschön!